Praxisratgeber Rammschutz und Absperrungen

Praxis-Ratgeber Rammschutz & Absperrungen

Achtung Kollisionsgefahr! Auch in Betrieben kann es mal "krachen". Mit viel Glück gibt es nur ein paar Kratzer am Lack – im schlimmsten Fall kann es jedoch zu ernsthaften Personenschäden kommen. Anfahren und -stoßen sollte man also als Unfallursache nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber keine Sorge: Für einen effektiven Schutz müssen Sie Mitarbeiter und Anlagen nicht in Watte packen! Rammschutz- und Absperrsysteme sind der einfache und clevere Weg, Unfälle und Schäden im täglichen Betrieb zu vermeiden. Wie das geht und was dabei zu beachten ist, haben wir in diesem Ratgeber für Sie zusammengefasst.



Warum Rammschutz, Anfahrschutz und Absperrungen Sinn machen

Machen wir uns nichts vor – im betrieblichen Alltag herrscht oft hoher Zeitdruck, gerade wenn es um den innerbetrieblichen Transport, Be- und Verladearbeiten geht. Gefährlich wird es dann, wenn Personenunfälle ins Spiel kommen. Laut einer Statistik der AUVA sind im Jahr 2017 rund 23.690 Arbeitsunfälle im Zusammenhang mit Flurfördermitteln und Materialtransportwagen aufgetreten. Damit entfällt der größte Anteil der Unfälle beim innerbetrieblichen Transport auf diese Betriebsmittel. Geht es beispielsweise um Staplerunfälle, sieht das häufigste Unfallgeschehen wie folgt aus: Ein Unfallopfer wird angefahren, eingequetscht oder überfahren. Aber auch das Anfahren eines ungesicherten Regals kann im schlimmsten Fall zum Einsturz und zu Personenschäden führen.

Einfach und unkompliziert zu mehr Sicherheit

Hier erweisen sich Absperr- und Rammschutzsysteme als einfache aber wirkungsvolle Maßnahme für mehr Sicherheit im betrieblichen Ablauf. Sie übernehmen dabei u. a. Funktionen wie die Trennung von Verkehrs- und Arbeitsbereichen, die Regelung des innerbetrieblichen Verkehrs, die Abgrenzung von Verkehrswegen gegenüber anderen Flächen (z. B. Lagerbereichen), das Sichern von Lagereinrichtungen oder das Freihalten von Durchfahrten. Auch das Absperren von Gefahrenbereichen, Baustellen und temporären Hindernissen lässt sich mit einer Absperrung realisieren.

Absperrungen und Rammschutzsysteme kommen nicht nur dem Personenschutz zugute: Im Rahmen der vorbeugenden Instandhaltung sind sie eine wichtige Vorkehrung, um Schäden an Maschinen und Anlagen zu vermeiden. Der richtige Ramm- bzw. Anfahrschutz hilft effektiv dabei, Ausfall- und Reparaturkosten zu senken. Einen beschädigten Rammschutz auszuwechseln ist letztendlich einfacher und günstiger, als die Reparatur einer Produktionsanlage.

Weitere wichtige Argumente für den Einsatz von Rammschutz und Absperrungen

Die Installation von Anfahrschutzsystemen kann sich positiv auf Ihren Versicherungsschutz auswirken bzw. diesen erst ermöglichen. Sprechen Sie dazu mit Ihrem Sachversicherer. Nicht zuletzt sind Sie möglicherweise auch gesetzlich dazu verpflichtet, für ausreichenden Anfahrschutz und Absperrungen zu sorgen. Mehr dazu erfahren Sie im Folgenden.

Abgrenzung von Verkehrswegen gegenüber anderen Flächen wie Lager- oder Arbeitsbereichen
Abgrenzung von Verkehrswegen gegenüber anderen Flächen wie Lager- oder Arbeitsbereichen
Effektiver Personenschutz durch Verhindern von Arbeitsunfällen
Effektiver Personenschutz durch Verhindern von Arbeitsunfällen
Absperren von Gefahrenbereichen, Baustellen oder temporären Hindernissen
Absperren von Gefahrenbereichen, Baustellen oder temporären Hindernissen
Senken von Ausfall- und Reparaturkosten durch vorbeugende Instandhaltung
Senken von Ausfall- und Reparaturkosten durch vorbeugende Instandhaltung
Einhaltung von Betreiberpflichten und gesetzlichen Vorschriften
Einhaltung von Betreiberpflichten und gesetzlichen Vorschriften

Welche Gesetze und Richtlinien sind zu beachten?

Eine zentrale Rolle beim Thema Rammschutz und Absperrungen kommt der Gefährdungsbeurteilung zu. Als Verantwortlicher des Unternehmens trägt der Arbeitgeber die alleinige Verantwortung für die von ihm eingesetzten Arbeitsmittel. Nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG § 1ff) hat der Arbeitgeber vor der Verwendung von Arbeitsmitteln (Arbeitsmittelverordnung AM-VO § 1ff) die auftretenden Gefährdungen zu beurteilen (ASchG § 4, AM-VO § 3). Laut § 5 ASchG ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung und die von ihm festgelegten Arbeitsschutzmaßnahmen zu dokumentieren. Unter § 7 ASchG verpflichtet sich der Arbeitgeber die allgemeinen Grundsätze der Gefahrenverhütung umzusetzen.

Die Gefährdungsbeurteilung als Basis Ihrer Schutzmaßnahmen

Die Gefährdungsbeurteilung ist Ihre primäre Entscheidungsgrundlage für die Installation von Rammschutz und Absperrsystemen. Erkennen Sie im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung entsprechende Risiken für Ihre Mitarbeiter, sollten Sie Rammschutz und Absperrungen als Teil Ihrer Maßnahmenplanung in Betracht ziehen. Wichtig: Handeln Sie, bevor etwas passiert! Im Schadensfall müssen Sie Ihrer Versicherung bzw. der Berufsgenossenschaft Ihr ordnungsgemäßes Handeln nachweisen. Mit der Gefährdungsbeurteilung und der Umsetzung der darin festgelegten Arbeitsschutzmaßnahmen leisten Sie daher auch einen wichtigen Beitrag zur Haftungsvorsorge.

Besondere Vorgaben für Verkehrswege

Der § 2 „Verkehrswege“ der Arbeitsstättenverordnung (AStV) konkretisiert die Anforderungen, die an die Sicherung innerbetrieblicher Verkehrswege gestellt werden. Generell sind Verkehrswege so einzurichten und zu betreiben, dass sie jederzeit sicher begangen bzw. befahren werden können. Mit geeigneten Maßnahmen muss den Gefährdungen für Mitarbeiter entgegengewirkt werden. Werden Transportmittel auf Verkehrswegen genutzt, muss ein ausreichender Sicherheitsabstand für Fußgänger gewahrt werden. Auch müssen Verkehrswege für Fahrzeuge an Türen und Toren, Durchgängen, Fußgängerwegen und Treppenaustritten in ausreichendem Abstand vorbeiführen (AStV § 2 (6)).

Achten Sie hier auf die in der AStV § 2 vorgegebenen Mindestbreiten und -höhen für Verkehrswege. Die Begrenzungen von Verkehrswegen sind zu kennzeichnen (AStV § 2 (3)). Auch gibt es abweichende bzw. ergänzende Anforderungen für Baustellen (ASchG § 24 (4)).

Besondere Vorgaben für Lagereinrichtungen und Geräte

In der DGUV-Regel 108-007 „Lagereinrichtungen und Geräte“ finden sich konkrete Anforderungen an Anfahrschutzeinrichtungen für Lagereinrichtungen wie ortsfeste oder verfahrbare Regale und Schränke. Laut Abschnitt 4.2.5 müssen ortsfeste Regale, die mit nicht leitliniengeführten Fördermitteln be- oder entladen werden, an ihren Eckbereichen – auch an Durchfahrten – durch einen mindestens 0,3 m hohen (Achtung: Die DIN EN 15512 fordert hier mindestens 0,4 m Höhe), ausreichend dimensionierten, nicht mit dem Regal verbundenen und mit einer gelb-schwarzen Gefahrenkennzeichnung versehenen Anfahrschutz gesichert sein. Dies gilt nicht für die Innenseiten ortsfester Endregale bei verfahrbaren Einrichtungen. Als ausreichend dimensioniert kann ein Anfahrschutz angesehen werden, wenn er eine Energie von mindestens 400 Nm aufnehmen kann. Wichtig: Anfahrschutz, der mit der Regalstütze verbunden ist, darf laut DGUV 108-007 nicht in Eckbereichen oder Durchfahrten eingesetzt werden.

 

 

Besondere Vorgaben bei der Lagerung von Gefahrstoffen

Haben Sie im Betrieb mit Gefahrstoffen zu tun, sind i.d.R. besondere Gefahren zu berücksichtigen und somit unter Umständen auch weitere Richtlinien zu beachten.

So gibt beispielsweise die Flüssiggasverordnung (FGV) § 19 ausdrücklich vor, dass Flüssiggasbehälter vor vorhersehbare, mechanische Gefahren (z. B. Fahrzeuge, schwebende Lasten etc.) geschützt sein müssen. Befinden sich Flüssiggasbehälter im oder nahe zum Verkehrsbereich müssen sie gegen Anfahren geschützt sein. 

Auch die TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“ fordert einen „ausreichend bemessenen Anfahrschutz“ für entsprechende Lagereinrichtungen.

Vorgaben zur Kennzeichnung

Laut § 3 Abs. 7 und § 20 Abs. 2 des Bundesgesetzes über Sicherheit und Gesundheitschutz bei der Arbeit (ASchG), BGBl. I Nr. 9/1997 wurde verordnet, dass Schilder mit Verbots-, Warn-, Gebots-, Rettungs- oder Hinweiszeichen zur Kennzeichnung von Gefahrenbereichen zu verwenden sind. 

Bodenmarkierungen

Weist ein Raum durch den ein Verkehrsweg führt, über mehr als 1000 m² auf oder erfordert es die Einrichtung bzw. Nutzungsart des Raumes, sind die Begrenzungen der Verkehrswege zu kennzeichnen. Weiters können bei Lagerflächen sowie bei möglicher Stolper- oder Absturzgefahr Bodenmarkierungen erforderlich sein. Grundlage: § 20 (2) ASchG; § 2 (3) (8), § 11 (2) (6) AStV


Welcher Rammschutz eignet sich für meinen Anwendungsfall?

Vor der Anschaffung eines Rammschutzsystems sollten Sie sich folgende 3 Fragen stellen: Was soll geschützt werden? Wovor soll geschützt werden? Und wo soll geschützt werden?

 

1  Was soll geschützt werden?

Je nach Anwendungszweck stehen verschiedenste Rammschutzsysteme zur Verfügung. Wer längere Fahrwege oder Arbeitsbereiche sichern möchte, benötigt andere Produkte als für den Kantenschutz von Regalen und Schränken. Im Folgenden finden Sie eine Beschreibung der gängigsten Rammschutzsysteme mit entsprechenden Anwendungshinweisen:

 

2  Wovor soll geschützt werden?

Hier gilt die einfache Faustregel: Ihr Rammschutzsystem muss umso stabiler sein, je schwerer und schneller das Betriebsmittel ist, dem es im Fall der Fälle standhalten muss. Ein Handwagen entfaltet schließlich wesentlich weniger Anfahrkraft als ein Gabelstapler oder LKW. Es gilt also, die potentiellen Gefahrenquellen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung abzuklären und einen passenden Rammschutz als Schutzmaßnahme zu wählen. Die Stabilität des Rammschutzes hängt dabei nicht nur von den Abmessungen, sondern auch vom Material und der Anbringungstechnik ab. Mehr Informationen dazu finden Sie im Folgenden.

 

3  Wo soll geschützt werden?

Je nachdem, ob der Rammschutz im Innen- oder Außenbereich eingesetzt werden soll, müssen unterschiedliche Anforderungen an das Material gestellt werden. Durch eine Kollision mit einem Betriebsmittel kann der Rammschutz selbst beschädigt werden – bei der Verwendung von Produkten aus unverzinktem Stahl im Außenbereich kann es daher zu Rostbildung kommen, die das Produkt weiter schädigt. Daher sollten Sie ein korrosionsbeständiges Material für Rammschutzsysteme wählen, die im Außenbereich eingesetzt werden. Mehr Informationen dazu finden Sie im Folgenden.


Aus welchem Material sollte ich meinen Rammschutz wählen?

Im DENIOS Onlineshop finden Sie Rammschutzprodukte aus Stahl und aus hochwertigem Kunststoff. Bei der Wahl des Materials sollten Sie sich die Frage stellen, was genau der Rammschutz konkret leisten muss. Je nach Anwendungsfall können hier ganz unterschiedliche Materialeigenschaften gefragt sein. Generell gilt: Je größer der Durchmesser und je dicker das Material, desto größer ist die Widerstandskraft Ihres Anfahrschutzes. Kommen in Ihrem Betrieb schwere und schnelle Maschinen zum Einsatz, sollten Sie also besonders stabilen Anfahrschutz einsetzen.

Bei der Verwendung in Außenbereichen sind auch die Witterungsverhältnisse zu berücksichtigen. Wird hier ein besonders robuster Rammschutz benötigt, sollten Sie ein Produkt aus feuerverzinktem Stahl wählen, das Schutz vor Rostschäden bietet. Kunststoff-Rammschutz ist dagegen komplett korrosionsbeständig – nach der Kollision mit Fahrzeugen sind also in keinem Fall Rostschäden zu befürchten. Für den Außenbereich ist verzinkter Stahl jedoch häufig die bessere Wahl, da bei Kunststoff-Produkten aufgrund ihrer schlechteren UV-Beständigkeit Nachteile entstehen. Kunststoff bietet in Sachen Anfahrschutz vor allem den wesentlichen Vorteil, dass die runden Formen und das elastische Material die Aufprallenergie reduzieren und somit auch das anfahrende Betriebsmittel geschont wird.

Aus welchem Material sollte ich meinen Rammschutz wählen?

Wie sollte ich Rammschutz anbringen?

Nachdem Sie sich gemäß Ihrer Gefährdungsbeurteilung für das geeignete Rammschutz-Produkt aus dem passenden Material entschieden haben, geht es an die Montage. Bei der Anbringung auf dem Boden haben Sie die Wahl zwischen Einbetonieren und Verschrauben. Einbetonieren ist zwar aufwändiger – dafür hält der Rammschutz so aber am meisten aus. Wenn Sie sich für ein Verschrauben entscheiden, sollten Sie immer darauf achten, dass Sie passende Schrauben und Dübel zum Untergrund verwenden. Achten Sie besonders bei nachgebenden Produkten auf einen ausreichenden Abstand zu dem zu schützenden Objekt. Rammschutz, der direkt am zu schützenden Objekt anzubringen ist (z.B. Kanten- oder Wandschutzprofile), ist je nach Produkt verschraubbar, selbstklebend,  magnethaftend oder per Stecksystem zu befestigen. In jedem Fall sollten Sie auch die Art der Montage bei der Maßnahmenplanung gemäß Ihrer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen.

Wann empfiehlt es sich, ein Absperrsystem einsetzen?

Wenn Sie eine Lösung zur Markierung von Absperrbereichen, zur Personenführung oder zur Sicherung von temporären Gefahrenbereichen suchen, ist ein Absperrsystem die richtige Wahl. Im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung sollten Sie in jedem Fall prüfen, ob ein einfaches Absperrsystem für den jeweiligen Anwendungsfall ausreichend ist, oder ob ein robuster Rammschutz benötigt wird. Absperrsysteme sind vor allem auch als mobile Variante interessant, um schnell und flexibel auf veränderte Begebenheiten reagieren zu können. So zum Beispiel auch, wenn man zeitweise Durchfahrten freihalten oder Park- und Lagerplätze reservieren möchte. Vor allem aber auch zur Absicherung temporärer Gefahrenstellen ist es ratsam, immer eine Absperrung griffbereit zu haben. 


Wie unterscheiden sich die verschiedenen Absperrsysteme?

Je nach Einsatzzweck können verschiedene Absperrsysteme verwendet werden. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der verfügbaren Produkte sowie Informationen zu deren Eigenschaften.



Ergänzende Hilfsmittel

In unserem Onlineshop finden Sie nicht nur Rammschutzsysteme und Absperrungen, sondern auch weitere Produkte zur Sicherung Ihrer innerbetrieblichen Abläufe. Hier finden Sie weitere nützliche Hilfsmittel – zum Beispiel im Bereich Beleuchtung, Kennzeichnung und Verkehrssicherheit.


Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Alle zur Verfügung gestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Dennoch kann die DENIOS GmbH keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen übernehmen.


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